“Im Archiv von Herrn Lendl habe ich mich von der Menge an Geschichte, Geschichten und alter Kunst, die mich umrahmte, erdrückt gefühlt. Ich habe nichts mehr an all das Vorhandene hinzufügen wollen, also habe ich mit nur zwei Verschiebungen operiert.
Ich habe ein Eckregal mit all seinen Büchern aus dem Archiv in den Galerieraum gebracht und wiederaufgebaut, nur die Hintere Platte des Regals habe ich Vorne montiert. Die Rückseite lässt nur mehr die Blätter der Bücher sehen, die Vorderseite wird zum schwarzen Block – eine abstrakte Oberfläche die ein wenig visuelle Ruhe schafft.
Gleichzeitig bildet das resultierende skulpturale Objekt eine schwarze Silhouette. Diese Silhouette verkörpert das Ordnungsprinzip des Archivs, nämlich die Person, die es gesammelt hat und den Faden bildet, der dem Archiv eine Kohärenz gibt. So kann die architektonische Silhouette als ein abstrahiertes Porträt von Herrn Lendl gesehen werden, aber auch als einen Mahnmal –das, was übrig bleibt wenn der Faden des Archivs verschwindet.”
Adrien Tirtiaux
Geb.1980 in Brüssel, lebt und arbeitet in Wien und Antwerpen
Galerie Martin Janda, Wien
Adrien Tirtiaux beschäftigt sich in seiner künstlerischen Praxis mit den spezifischen Eigenschaften von Ausstellungs- sowie öffentlichen Räumen und verknüpft diese mit Narrationen. Seine Eingriffe, die zwischen der Strenge konzeptueller Strategien der 1970er-Jahre und der direkte Billdsprache von Comickultur oszillieren, sind die Ergebnisse einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit einem gegebenen Kontext, in dem sich Tirtiaux jeweils bewegt und arbeitet.

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