OVIDIU ANTON

„Hallo, wir würden Sie gerne beschenken. Bonjour, on aimerait bien vous faire un cadeau.“

Ausgangspunkt der Arbeit ist das über viele Jahre gewachsene Archiv/Antiquariat des Galeristen Eugen Lendl.

Die Räumlichkeiten der Galerie liegen im ersten Stock des Grazer Palais Lengheimb, eine Etage darüber betritt man eine kulturhistorische Parallelwelt. In einem schwer zugänglichen Durcheinander stapeln sich Bücher über Zeitschriften über Druckgrafiken über Zeichnungen über Objekte. Schichten von Geschichte(n). Wenn man einige Zeit in den Räumlichkeiten verbringt, bekommt man Lust die Fenster zu öffnen.

Die Idee zu unserer Arbeit entwickelte sich aus der Idee eines Freundes, der meinte, man könne doch einfach einen Flohmarkt organisieren und die Dinge auf der Straße vor der Galerie verkaufen. Sie nach draußen bringen. Ans Licht, unter die Leute. Wir beschlossen eine Auswahl von Objekten und die damit verbundenen Geschichten auf eine vor uns liegende Autofahrt von Wien nach Paris mitzunehmen und am Weg an ausgewählte Personen zu verschenken.

Wir verbrachten zwei Tage im Archiv, schliefen auf Klappbetten neben Planschränken voller Kupferstiche, durchstöberten Kisten, Regale und Laden. Gemeinsam mit Eugen Lendl wählten wir letztendlich 16 Objekte aus, die uns repräsentativ für die Sammlung erschienen und von denen er sich trennen konnte. Normalerweise agiert ein Galerist, eine Galeristin als VertreterIn der KünstlerInnen, nun vertraten wir als KünstlerInnen den Galeristen.

Wien – Salzburg – Dornbirn – Vaduz – Zürich – Basel – Paris. Wir trafen FreundInnen, FreundInnen von FreundInnen und Bekannte von Eugen Lendl in Cafés, in Wohnungen, an Flussufern, in Museen und Galerien und machten ihnen Geschenke mit der Aufforderung, uns wissen zu lassen welches Leben das Objekt nach seiner Übergabe führt, in welche Aktionen es eingebunden wird, welche Spuren es hinterlässt, welche Gedanken es hervorruft …

Die Installation „Hallo, wir würden Sie gerne beschenken. Bonjour, on aimerait bien vous faire un cadeau.“ ist eine Kombination aus diesen Antworten, aus den Fotografien der Objekte und der Dokumentation der Reise in Form einer Landkarte und einer Dia-Projektion.

 

Ovidiu Anton

Geb.1982 in Timisoara, besuchte die Schule für künstlerische Fotografie bei Friedl Kubelka und studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ausgangspunkt seiner aktionistischen Eingriffe, die er mit Video oder Fotografie dokumentiert, ist zumeist ein ortsspezifischer Kontext, gesellschaftliche Fragen und das Thema der Zeit. Durch seine minimalistischen Eingriffe im öffentlichen Raum sowie im System des White Cube thematisiert er gesellschaftliche Normen und Formen – deren Funktionalität und/oder Absurdität.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.